Die Planebrücke oder eine Brücke ohne Plan

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Die Leiden einer maroden Brücke

„Mir geht’s nicht gut, ich will erneuert werden, denn eine Vitaminspritze bringt es nicht mehr!“ So in etwa könnte man den Hilfeschrei eines „toten“ Bauwerks interpretieren, wollte man denn nur zuhören. Wobei?! Eigentlich ist das Bauvorhaben hinreichend diskutiert, nachweislich bekannt und in sämtlichen Planungen berücksichtigt. Nur erneuert wurde sie immer noch nicht: die Planebrücke im Zuge der Landesstraße L 96.

Ein Werdegang (kleiner Auszug).

September 2007 – Neubau der Planebrücke wird ins Auge gefasst

Die Stadt Brandenburg an der Havel plant den Neubau der Planebrücke: „In Kürze wird ein Planungsauftrag für einen Neubau der Planebrücke in Auftrag gegeben wird. Dabei handelt es sich nicht um ein Überführungsbauwerk über die Plane und die Gleisanlage der Deutschen Bahn AG, sondern um eine Straßenbrücke über die Plane. Das bedeutet nicht den Abschied von der Bahnüberführung im Zuge der Ziesarer und Wilhelmsdorfer Landstraße. Dieses auch im Masterplan der Stadt enthaltene Vorhaben hat weiterhin Bestand. Doch zwei Gründe sprechen für die langfristige Zwischenlösung, wie sie nun beabsichtigt ist. Zum Einen ist der bauliche Zustand der Planebrücke nicht mehr auf lange Zeit den Verkehrsanforderungen genügend und zum Anderen ist die Führung des Rad- und Fußgängerverkehrs im Brücken- und Bahnübergangsbereich seit langem ein kritischer Punkt in den Augen von Bürgern, Polizei, ADFC und Verwaltung.

Das bestehende Bauwerk ist 1983 als Dauerbehelfsbrücke ertüchtigt worden und hat die veranschlagte Nutzungsdauer längst überschritten.“, heißt es in einer Pressemitteilung vom 12. September 2007.[1]

Oktober 2012

Zum Baustart eines BUGA-Projektes der Havelregion 2015 in Brandenburg an der Havel überreicht am 15. Oktober 2012 der Infrastrukturminister des Landes Brandenburg Jörg Vogelsänger auch einen Förderbescheid für den Neubau der Brücke über die Plane im Zuge der L 96. So heißt es in der Pressemitteilung[2] vom 12. Oktober 2012: „Die Brücke über die Plane muss erneuert werden. Die Verkehrssituation mit dem naheliegenden Bahnübergang wird entzerrt und sicherer gemacht. Die Brücke wird nach Westen und der Bahnübergang nach Süden verschoben. Die Gesamtkosten in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro werden vom Land mit Mitteln aus dem Entflechtungsgesetz in Höhe von 1,125 Millionen Euro gefördert.

Haushaltsplan 2014 der Stadt Brandenburg an der Havel

Im Haushaltsplan 2014[3] verschob dann die Stadt die Baumaßnahme und begründete: „Mit der Planung 2014 ff. wurde der Ansatz für den Neubau der Planebrücke von 2014 in das Jahr 2016 verschoben, da eine Umsetzung im Zeitraum der BUGA nicht möglich ist.“

Verkehrsentwicklungsplan Fortschreibung 2015

Erstmalig im Jahr 1994 beschloss die Stadt Brandenburg an der Havel einen Verkehrsentwicklungsplan (VEP) und schreibt diesen regelmäßig fort. In der Fortschreibung 2015[4] heißt es: „Die Stadt Brandenburg an der Havel plant den Neubau der Planebrücke. Damit würde die gesamte Strecke wieder für Fahrzeuge aller Klassen befahrbar sein und die Autobahnumleitung wieder angeordnet werden. Die übrigen Streckenabschnitte sind von ihrem Ausbauzustand grundsätzlich in der Lage, kurzzeitig als Umleitung der hoch belasteten Bundesautobahn A 2 zu dienen. Mit dem Ausbau der B 102 südlich von Brandenburg an der Havel verschwinden weitere Kapazitätsengstellen im Zuge dieser Ausweichstrecke.

Februar 2017 – Schrankenwärter im Einsatz

Für jeden Brandenburger in leidvoller Erinnerung wurde der Bahnübergang durch eine Entscheidung des Eisenbahn-Bundesamtes überregional bekannt. Streckenwärter der Deutschen Bahn sicherten den Bahnübergang rund um die Uhr im Schichtdienst mit rot-weißem Flatterband und Halte-Warndreieck trotz funktionierender fester Schranke. „Bauliche Mängel an der Straßenbrücke über den Fluss Plane sind die Ursache“, erklärte Bahnsprecher Gisbert Gahler der B.Z.[5] Frühestens 2018 soll mit dem Brücken-Neubau begonnen werden, heißt es in ihrem Bericht.

Verkehrsentwicklungsplan Fortschreibung 2018

Im Verkehrsentwicklungsplan 2018 wird der Ersatzneubau der Planebrücke als sogenannte „Sowieso-Maßnahme“ geführt. Sowieso-Maßnahmen sind Maßnahmen, die bereits beschlossen sind oder sich in der Umsetzung befinden. Der Neubau der Brücke wird hier für das Jahr 2018 angekündigt.[6]

Pressebericht im März 2018[7]

Die Märkische Allgemeine (MAZ) veröffentlicht bereits am 10. März 2018 den geplanten Baustart. So schreibt die lokale Tageszeitung im Artikel „Neubau neben der Spur“: „Mehr als elf Jahre hat es gedauert vom Auftrag bis zum Ausführen: Doch Ende 2018 soll endlich mit dem Neubau von Planebrücke und Bahnübergang begonnen werden. Das dauert dann ein Jahr, wird aber abseits der vorhandenen Trasse erledigt, so dass sich Behinderungen in Grenzen halten.“

März 2019 - Der Bürgerbeirat wird informiert

Die Diskussionen werden lauter, oder doch nur ein Ablenkungsmanöver? In einem Schreiben an den Bürgerbeirat Eigene Scholle/Wilhelmsdorf erklärt die Stadt die Rahmenbedingungen für eine alternative, in der Öffentlichkeit diskutierte niveaufreie Überführung der Eisenbahnstrecke. Eine optimistisch veranschlagte Zeitschiene würde hierbei eine voraussichtliche Fertigstellung im Jahr 2028 bedeuten. Gleichwohl bleibt der kurzfristige Neubau der Planebrücke mit der verkehrsgerechten Gestaltung des Bahnübergangs auch bei einem anschließenden Projekt „Straßenüberführung“ erforderlich.[8]

Juni 2020 – Baustart an der Planbrücke verschiebt sich[9]

In der Stadtverordnetenversammlung des Monats Juni 2020 berichtet Oberbürgermeister Steffen Scheller zum Stand der aktuellen Planungen. Das Online-Magazin Meetingpoint meldet am 24. Juni 2020: „Frühestens 2022 soll Baustart am Bahnübergang Planebrücke sein, bisher hatte die Verwaltung betont, dass man dort 2021 loslegen wolle. 24 Monate Bauzeit sind dann für Brücke, Bahnübergang, Sicherungstechnik etc. nötig, so dass die Brandenburger noch bis mind. 2024 mit dem aktuell katastrophalen Zustand leben müssen.“ Auch drohen noch weitere 9 Monate Planungsverzug, wenn ein Planfeststellungsverfahren mit Umweltverträglichkeitsprüfung notwendig wird.

Zum heutigen Stand im Oktober 2020 bleibt das Ende abzuwarten. Ob die Vollsperrung einer einsturzgefährdeten Brücke, oder aber ob eine rechtzeitige Rettung vor dem Belastungskollaps veranlasst werden kann, wissen nur die Protagonisten am runden Tisch.

 

Von: Martin Senftleben Vorstand GbnO

 

Quellen:

[1]   https://www.stadt-brandenburg.de/presse/brueckenneubauten-werden-geplant/, abgerufen am 1. Oktober 2020.

[2] https://mil.brandenburg.de/cms/detail.php/bb1.c.310624.de, abgerufen am 01. Oktober 2020.

[3] Haushaltsplan 2014 der Stadt Brandenburg an der Havel vom 26. Februar 2014 – Beschlüsse 438/2013 und 042/2014

[4]  Verkehrsentwicklungsplan (VEP) Fortschreibung 2015 – Verkehrsanalyse und Leitbild „Verkehr und Umwelt“, IVAS Ingenieurbüro für Verkehrsanlagen und –systeme Dresden, Stand Mai 2015 ersetzt den VEP 2003.

[5] https://www.bz-berlin.de/berlin/umland/gehts-noch-neben-der-festen-gibts-hier-eine-mobile-schranke, abgerufen am 1. Oktober 2020

[6] Punkt 4.2.2 VEP 2018

[7] https://www.maz-online.de/Lokales/Brandenburg-Havel/Neubau-neben-der-Spur, abgerufen am 1. Oktober 2020

[8]  Schreiben der Stadt Brandenburg an der Havel an den Bürgerbeirat Eigene Scholle/Wilhelmsdorf vom 7. März 2019

[9] https://meetingpoint-brandenburg.de/neuigkeiten/artikel/65725-SVV_Baustart_an_der_Planebruecke_verschiebt_sich, abgerufen am 1. Oktober 2020.

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Kommentare

Kommentar von Inge |

Eine traurige Geschichte. Aber Brücken kann unsere Stadt irgendwie nicht.

Kommentar von Kralle |

Nein, das wird so nix mehr! Sofern hier wirklich verbessert werden sollte, finden wir uns in BER-Zeitschienen wieder.

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