Landschaftsschutzgebiet bei Wendgräben: Investoren stehen Schlange, was nun?

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Die Bebauung des Landschaftsschutzgebietes bei Wendgräben, also außerhalb der Stadt, klingt für den einen oder anderen zunächst mal nach einer würdigen Idee. Warum die Anwohner aufstehen und sich mit einer der größten Petitionen der Stadt gegen die touristische Erschließung auf 130 ha stellen, scheint bei dem einen oder anderen Vertreter im Rathaus aber noch nicht mal im Ansatz angekommen zu sein.
Vertröstet mit Verschiebungen innerhalb von Ausschüssen, obwohl die Entwürfe zum Interessensbekundungsverfahren bereits am 24.11.2021 vorlagen, unbeantwortete Anfragen und ein gestrichener Tagesordnungspunkt sind nur eine kleine Auswahl an Beispielen für die Ignoranz einiger städtischer Vertreter gegenüber unserer Bürgerinitiative. Aber geschenkt!
Eine erfolgreiche Investorensuche sollte als Indiz für den Bedarf einer touristischen Erschließung der ehemaligen Rieselfelder herhalten. Obwohl die zuständige Tourismusgesellschaft STG bisher keine belastbaren Zahlen liefern konnte, die einen überregionalen oder gar regionalen Bedarf erklären, wurde eins klar: nicht die Stadt setzt den gestalterischen Rahmen, sondern die Investoren sollten liefern. So darf ein Planungsverfahren nicht durchgeführt werden!
Mittlerweile sickerte über die MAZ durch, was da womöglich auf uns zu rollt. Von einer Ferienhaussiedlung mit Hallenbad und Kletterwald, einer Tiny-House-Siedlung oder einem Yoga-Dorf ist die Rede. Nun sollen die Stadtverordneten also über die eingereichten Vorschläge entscheiden. Ausdehnung, Nutzungsart, Tourismus: Wer schreit nun am lautesten: „Ja, ich will!“?
Eine Verträglichkeitsstudie für den südlichen Stadtraum existiert für dieses Vorhaben bis heute nicht. Die Auswirkungen auf die Wohngebiete südlich der Niederhavel und dessen Infrastruktur blieben bisher völlig unbeleuchtet.
Die riesigen Wald- und Wiesenflächen, unmittelbar angebunden an das große "Natura 2000"- Schutzgebiet rund um den Faulen See werden vielleicht parallel zur Debatte gerade entwidmet. Dabei sollte der „Katalog“ mit den Bedingungen und Grundlagen für das Interessensbekundungsverfahren vorab mit den Stadtverordneten abgestimmt und beraten sein, die MAZ berichtete.
Im Exposé des vorgelagerten durchgeführten Interessensbekundungsverfahren wurden die wirklichen Probleme allesamt jedenfalls nicht genannt. Schöngefärbt und eingebettet in eine malerische Landschaft steht ein solches Vorhaben für sich? Nein. So ist es sicher nicht! Das ist Ignoranz!
Die Belange der Anwohner und die Auswirkungen auf die verkehrliche Infrastruktur blieben unreflektiert. Einige Stadtverordnete versuchen der breiten Bevölkerung zu verkaufen, dass mit einem zusätzlichen Autobahnanschluss das zu erwartende Verkehrschaos vermieden wird. Dabei kann eine solche Anbindung an der gewünschten Stelle zwischen Brandenburg und Wollin nach den geltenden Richtlinien aus Gründen der Verkehrssicherheit gar nicht umgesetzt werden.
Ob nun Langzeittouristen, die dann anschließend in die Stadt strömen sollen oder Arbeitsplätze, die in einem abgeschlossenen Freizeitpark entstehen: neue Straßen wird es am Ende keine geben. Brücken wohl auch nicht, aber was sicher bleibt, ist das Nadelöhr vom Bahnübergang Planebrücke bis zur Wilhelmsdorfer Kreuzung. Seit 2007 versucht die Stadt dort erfolglos eine Brücke zu ersetzen –
ohne Überführung wohlbemerkt. Aber vielleicht dürfen wir bald ein zusätzliches Hallenbad in Konkurrenz zum städtischen Marienbad begrüßen. Vielen Dank vorab!
Wir fordern die Stadtverordneten im Namen unserer Mitglieder und über 2000 Unterstützenden auf, diesen Irrsinn zu stoppen. Nehmen Sie die Bedenken und Einwände endlich ernst und berücksichtigen diese in Ihren Entscheidungen! Weder in den gültigen Maßnahmenplänen der Stadt wie Verkehrsentwicklungsplan, Klimaschutzkonzept und Tourismuskonzept(!) wird die Erschließung dieser riesigen Fläche erwähnt.
Massentourismus und eine damit verbundene Raumneuordnung für 130 ha verträgt der Süden der Stadt nicht. Die Defizite sind bekannt und die Aufgaben in den Konzepten der Stadt verankert. Eine weitere schädliche Zersiedelung der Stadt und Zerstörung ihrer naturbelassenen Flächen gehört ausdrücklich nicht dazu.
Der Vorstand der GBNO

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